Die Vogesen im Winter: Wonderland für Familien

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Wenn ihr hier schon länger mitlest, dann habt ihr sicher gemerkt, dass Frankreich zu meinen absoluten Lieblingsländern gehört. Einfach alles so schön da, oder? Eine französische Region, die ich bis jetzt allerdings nicht auf dem (Reise-)Schirm hatte, war Lothringen. Durch die Gegend direkt neben dem Elsass mit den Städten Metz, Nancy oder Epinal bin ich bislang immer nur durchgefahren.

Zufällig saß ich dann vor ein paar Monaten bei einem Abendessen neben der Tourismus-Referentin für Lothringen, die unheimlich überzeugt geschwärmt hat von ihrer Region. Und dann fiel der Satz: „Ganz besonders schön für Familien sind die Vogesen im Winter.“ AHA!

Ich bin ja immer auf der Suche nach guten Möglichkeiten, meine Kids auf Skier zu stellen. Deshalb habe ich mich wie Bolle gefreut, als wir von Tourismus Lothringen für ein Wochenende nach La Bresse eingeladen wurden. Überraschung: Uns wurde dort ein wahres Winter-Schnee-Spaß-Potpourri geboten. Die beiden Tage waren vollgepackt mit Skifahren, Rodeln, Reifen-Schlittern, Seilbahn-Fliegen, einer Hüttenübernachtung mitten im Wald und garniert mit der fantastischen französischen Küche.

Unsere Highlights habe ich euch zusammengefasst.

1.    Skifahren in La Bresse Hohneck

Rund um La Bresse liegen mehrere kleine Skigebiete, das größte heißt La Bresse Hohneck. 42 Pisten und 15 Lifte auf 220 Hektar, der Gipfel liegt auf knapp 1400 Metern. Ihr seht schon: Das Skigebiet ist überschaubar und nicht wirklich mit den bekannten Gebieten in den österreichischen oder Schweizer Alpen vergleichbar. La Bresse Hohneck passt aber sehr gut für Familien mit kleineren Kindern oder für Anfänger. Die Infrastruktur ist absolut kinderfreundlich und die meisten Pisten sind leicht zu fahren.

Vogesen im Winter _La Bresse Skifahren

Großer Vorteil: Es ist viel viel günstiger als die üblichen Skiorte. Ein Tagesskipass für Erwachsene kostet 23,00 Euro, der Viertages-Pass liegt bei 83,20 Euro. Wahnsinn, oder? Für das Geld kann man in vielen Skigebieten nicht mal zwei Tage fahren. Allerdings zahlen Kids ab fünf auch schon, hier kostet der Tagespass 19,30 Euro, vier Tage dann 70,40 Euro.

Es gibt direkt am Skigebiet einen Bereich für die ganz Kleinen mit Zauberteppich, in dem Kids ab drei erste Skiversuche unternehmen können. Direkt daneben liegt die Kinderkrippe, in der die Unter-Dreijährigen betreut werden. Für die Minis gibt es übrigens auch schon ein Skikurs-Angebot. Nennt sich Baby Gliss und sieht natürlich supersüß aus.

Vogesen_La_Bresse_Skifahren_Kinder

Vogesen_La_Bresse_Skifahren

Kiddy 1 und Kiddo 2 haben beide ihren privaten Skilehrer gehabt und waren total zufrieden. Sogar mit der Verständigung hat es geklappt, weil beide Lehrer Deutsch sprechen konnten. Die Ecole du Ski Français (esf) bietet ein breites Programm, die Preise sind ok: Zwei Stunden Kurs für sechs Tage kosten 123,00 Euro.

Ich will jetzt nicht dauernd über Geld reden, aber beim Skifahren ist das eben echt ein Faktor. Eine normale Skiwoche für eine Familie mit zwei Kindern zum Beispiel in Österreich kostet mit allem Drum und Dran und ohne besonderen Luxus – wenn die Kids auch noch Skikurse machen – locker 1.500 bis 2.000 Euro. Und da überlegt man es sich halt dann doch. In den Vogesen ist es günstiger, aber geschenkt auch nicht. Allerdings können wir aus Deutschland einen Vorteil ausnutzen: Die Preise in Frankreich richten sich sehr stark nach den französischen Ferien. Und zum Beispiel in der ersten Januar-Woche sind keine. Das heißt Nebensaison-Preise in unseren Weihnachtsferien. Ein Woche Übernachtung im neu gebauten Apartment-Hotel direkt auf der Piste in la Bresse kostet dann rund 300,00 Euro in der Zwei-Zimmer-Ferienwohnung für vier Personen.

 

2.    Rodeln auf der Schlitte-Mountain-Bahn

Direkt an der Piste des Skigebietes La Bresse Hohneck liegt auch „Schlitte Mountain“, eine Rodelbahn. Was ein Spaß! Ich glaube, für Kiddo 2 war das der Höhepunkt: Direkt am Berg im Schnee mit dem Rodelschlitten um die Ecken sausen. Wir hatten ziemlich Schwierigkeiten dabei, ihn loszueisen. Überzeugt hat ihn dann nur die Aussicht auf weitere Schnee-Gaudi im Widoo Glisse.

Vogesen_La_Bresse_Rodeln_

Vogesen_La_Bresse_Rodeln

 

3.    Rutschen, Schlittern und Spielen im Widoo Glisse

Der Spielepark Widoo Glisse liegt ein paar Kilometer von La Bresse Hohneck entfernt und bietet x verschiedene Arten zu rutschen, zu schlittern oder zu gleiten. Im Schlitten, im Reifen, auf Skiern, vom Pony gezogen oder im Kinderwagen auf Kufen geschoben. Oder auf dem Plastik-Tier.
Unsere beiden waren in ihrem Element und sind von Station zu Station getobt. Ein Zauberteppich führt nach oben und runter geht es dann entweder die große Freifläche mit dem Schlitten, die steile Rutschpiste oder auch die Schlingerbahn mit dem Reifen. Ich stand zwar nur daneben –  ich habe Rücken – fand das aber schon beim Zuschauen ultraspaßig.

Vogesen_La Bresse Wiidoo_Glisse

Getoppt hat die Rutschpartie nur noch der Flug am Drahtseil durch die Luft.

 

4.    Fliegen wie ein Vogel mit dem Fantasticable

Vogesen_Fantasticable_MädelsausflugIhr kennt ja eventuell unsere kleine Reisetradition des Mädels-Ausflugs: Ein Event nur für Kiddy 1 und mich. In Lothringen hatten wir jetzt mal einen Trip der besonderen Art. Wir sind wie zwei Vögel mit ausgebreiteten Armen über einen Kilometer lang durch die Luft geflogen. Und zwar teilweise ganz schön schnell. Die Attraktion nennt sich Fantasticable und gehört zum Abenteuerpark Bol d’Air. Insgesamt 1,3 Kilometer Flug am Drahtseil hoch über den Baumwipfeln. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern.

Startpunkt des Ganzen ist am Parkeingang von Bol d’Air. Dort gibt es das nötige Equipment inklusive Helm und Schutzbrille. In einer Gruppe von etwa 6-8 Leuten geht’s dann mit dem Jeep hoch auf den Berg zu einer Holz-Plattform. Nach einer kurzen Einweisung „Breitet die Arme aus, fühlt euch wie ein Vogel. Aber zwischen den Bäumen dann schön die Arme auf den Rücken …“ wurden Kiddy 1 und ich im Tandem an das Drahtseil gehängt und mehrfach gesichert. Eine Art kleiner Fallschirm wird – vermutlich zum Bremsen –  passend zum Körpergewicht auch noch an dem Geschirr festgemacht. Ich habe es geliebt, wie der Guide sich diskret zu mir runtergebeugt und mit leiser Stimme nach meinem Gewicht gefragt hat. Das ist Frankreich, oder? Immer perfekt im Takt.

Und dann ging es auch schon los. Irre. Meine Kiddy 1 hat auf den ersten Metern kein Wort gesagt und ziemlich angestrengt ausgesehen. Als sie dann gemerkt hat, dass wir nicht runterfallen, hat sie sich aber entspannt und auch vorsichtig angefangen zu jauchzen. Ich fand das Ganze unglaublich toll. Wir sind geflogen! Genial.

Bol d'Air_Fantasticable
copyright ©Bol d’Air-M. Laurent

Probiert es aus, wenn ihr dort seid! Aber reserviert frühzeitig, ich hatte Glück und habe den allerletzten Platz am ganzen Wochenende erwischt.

Der Abenteuer- und Kletterpark ist ganzjährig geöffnet, Fantasticable geht immer. Die anderen Attraktionen wie Bungee Jumping, Seil-Hochsprung, Gleitschirmfliegen oder Kletterpark werden nur von Frühjahr bis Herbst angeboten. Fantasticable funktioniert für Kinder ab 6 Jahren und mindestens 25 Kilogramm Gewicht. Oder man fliegt im Tandem wie wir. Ein Ticket für Erwachsene kostet 29,00 Euro, Kinder 26,00 Euro, Tandem 56,00 Euro.

 

5.    Übernachten in den Zauberhütten von Bol d’Air

Bol d’Air ist nicht nur ein Abenteuerpark sondern vermietet auch Apartments, Studios und Chalets direkt am Park. Ein Hüttendörfchen der besonderen Art ist La Clairière aux Cabanes  etwa 500 Meter vom Park entfernt mitten im Wald. Hier sind die Hütten nicht einfach nur Hütten. Jedes einzelne Holzhäuschen steht unter einem Motto und ist dementsprechend gestaltet. Es gibt ein Hobbit-Haus, verschiedene Baumhäuser, die Fischer-Hütte, das Trapper-Haus, ein Chalet der Liebe und und. Jedes Haus hat seine eigene Geschichte, die man auch in einem Info-Ordner, der im Haus ausliegt, nachlesen kann.

Bol d Air_Vogesen_Baumhaus
©Bol d’Air-M. Laurent

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Wir durften in der Baraque Don Suisse eintauchen in die Welt vor rund 70 Jahren. Bezaubernd ist das richtige Wort, glaube ich. Stellt euch ein Holzhüttchen im verschneiten Wald vor, eine gute Stube und zwei Schlafzimmer wie anno dazumal inklusive Wäsche, die über dem Holzofen-Herd „trocknet“. Unsere Kids konnten es kaum glauben und sind bei jedem Einrichtungsgegenstand in lautes Staunen ausgebrochen. So hohe Betten! Ein Kinderwagen wie im Museum! Eine Schnur als Klospülung  und nur kaltes Wasser aus dem Wasserhahn!

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Bol d Air_Vogesen_Don Suisse_
©Bol d’Air-M. Laurent

Bol d Air_Vogesen_Don Suisse

Bol d'Air_Baraque du Don Suisse_
©Bol d’Air-M. Laurent

Die Hütte Don Suisse ist den Häuschen nachempfunden, die die Schweizer Bevölkerung den Bewohnern von La Bresse geschenkt hat, nachdem im zweiten Weltkrieg zahlreiche Wohnhäuser zerstört worden waren. Bei aller Ursprünglichkeit ist aber für den nötigen Komfort gesorgt. Fußbodenheizung, ein eigenes Badezimmer mit allem Schnick-Schnack im Gemeinschaftsgebäude gegenüber, kleiner Kühlschrank und natürlich elektrisches Licht. Supernett ist das Frühstück: Morgens steht im Hauptgebäude der eigene Korb für die ganze Familie parat mit Kaffee und Kakao, Croissants und frischem Baguette (also dem echten, es ist schließlich Frankreich!), Marmelade, Waldhonig & Co. Was soll ich sagen, ich war schwer entzückt.

So süß die verschneite Winteratmosphäre ist, wir kommen bestimmt auch im Sommer mal wieder und genießen es, vor einer der phantasievollen Hütten mitten im Wald in der Sonne zu sitzen und den Vögeln zuzuhören.

Wie ihr euch denken könnt, ist das Übernachten in den Zauberhütten von Bol d’Air schwer begehrt: Also unbedingt rechtzeitig reservieren. Ein Wochenende mit zwei Übernachtungen in der Hütte Don Suisse kostet 302,00 Euro inklusive Frühstück, Kinder bis 6 Jahren sind frei, für Kinder bis 13 Jahren gilt ein Aufpreis von 18,00 Euro/Nacht, für ältere Kids 36,00 Euro/Nacht.

 

6. Essen wie Gott in Frankreich

Viel viel mehr als das I-Tüpfelchen für unseren schönen Kurzurlaub war das Abendessen. Ich liebe die französischen Restaurants und das Menü-Schlemmen. Wenn es euch auch so geht, seid ihr in und um La Bresse an der richtigen Stelle. Es gibt eine ganze Reihe familienfreundlicher Restaurants. Exzellent fanden wir es im Table d’Angele (Guide Michelin 2016). Ich wäre am liebsten gleich da eingezogen. Sooo lecker! Und bei aller haute cuisine: Es ist nicht oberfein, sondern gemütlich eingerichtet, die Leute sitzen in Jeans an den Tischen, es gibt für die Kids Malsets und eine schöne Auswahl Kindergerichte. Die dann aber sehr kunstvoll daher kommen. Ich war beeindruckt davon, wie man die klassischen Nudeln mit Schinken in derartiger Schönheit servieren kann.

La_Table_d'Angele

Und nee, natürlich, unseren Kids war das ziemlich egal. Sie waren vor allem von den Deko-Krümeln aus Lebkuchen auf ihren Tellern fasziniert und davon, dass die (natürlich selbstgemachten) Pommes Frites in einem Drahtkorb auf dem Teller standen.

Und wie sonst auch: Das Beste war der Nachtisch. Mon Dieu!! Ich habe mich gefühlt wie ein Stück Butter in der Sonne …

Vogesen_La Table d Angele
Die Preise sind bei der Qualität überraschend fair: Ein Menü gibt es ab etwa 30 Euro, Kinder-Menüs für 12 Euro.

Wir hatten leider nur dieses kurze Wochenende von Freitagabend bis Sonntagnachmittag. Weil die Wege alle so schön kurz sind und wir die Chance hatten zu solch einer Menge an vielfältigem Spaß kam es uns viel länger vor. Die Kids haben am Montag von einem Urlaub erzählt, den sie gemacht hatten.

Wenn ihr ein paar Tage in den Schnee wollt und – gerade mit kleineren Kindern – nicht nur Skifahren sondern auch noch rodeln, rutschen, schwimmen, Schlittschuh fahren, Natur erleben und gut essen möchtet, dann sind die Vogesen im Winter echt ein Tipp. Es gibt natürlich auch jede Menge netter Hotels. Wir durften übrigens noch eine Nacht ins Les Vallées mitten in La Bresse. Ein komfortables Hotel, in dem für die Kids das Stockbett und für uns wieder mal die perfekte französische Küche die Attraktion waren.

Ich kann mich bei Tourismus Lothringen nur vielmals bedanken für die Einladung zu dieser Reise!

 

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2 Antworten

  1. Sehr schön Frau Thimm

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