Was habt ihr beim Reisen über eure Familie gelernt? Acht Reiseblogger antworten.

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Von jeder unserer Familienreisen kam ich zurück und hatte wieder mal etwas gelernt: Zu Beginn mit noch einem Kind, dass es keine gute Idee ist, mit unserer 1,5jährigen viele Ortswechsel durchzuziehen. Später dann, dass eine Reise mit unseren zwei Kleinkindern weitaus anstrengender ist als der normale Alltag zuhause. Bei unserer ersten Fernreise dann die fantastische Erkenntnis „Das geht!“. Und die Erfahrung, dass die Kids offensichtlich überall auf der Welt ihre Kurz-Freundschaften schließen, auch wenn die anderen Kinder nur thailändisch sprechen. Und dass unsere vergleichsweise langsamen Reisen als Familie zwar auf den ersten Blick weniger vielfältig scheinen als die früheren Backpacker-Trips, aber dennoch ungleich reicher sind. Einfach, weil wir durch die Kids ganz neue Erfahrungen auf Reisen machen können. Mir kommt es so vor, als ob wir bei jeder unserer Reisen etwas über uns als Familie lernen.

Deshalb hat es mich interessiert, wie andere viel reisende Familien das sehen. Und ich habe mich unheimlich gefreut, dass acht extrem beschäftigte Reiseblogger sich die Zeit genommen haben, mir meine Frage „Was habt ihr beim Reisen über euch als Familie gelernt?“ zu beantworten. Die Antworten fallen dabei ganz unterschiedlich aus und haben irgendwie doch einen gemeinsamen Kern. Aber lest selbst!

 

Sophie von BerlinFreckles

Sophie von BerlinFrecklesIch reise gern und ich frühstücke gern. Ich bin leidenschaftliche Frühstückerin. Deshalb will ich das, was ich über uns als Familie auf Reisen gelernt habe, mit einer Geschichte beginnen, die viele sicher schon in der einen oder anderen Version gehört haben: Ein Ehepaar, viele Jahre miteinander verheiratet, teilt sich schon immer morgens ein Brötchen. Es ist immer das gleiche Ritual: Er nimmt das Brötchen, schneidet es auf und gibt ihr die Oberseite, in dem festen Glauben, diese möge sie lieber als die Unterseite. Obwohl sie eigentlich lieber die Unterseite mag, freut sie sich und überlässt ihm die Unterseite, weil sie glaubt, er mag die Unterseite so gern. Erst, als sie sich einmal „egoistisch“ die Unterseite nimmt, kommt heraus, dass jeder aus falsch verstandener Rücksicht so gehandelt hat.

Wir haben durch unsere Reisen gelernt, dass jedes Familienmitglied eine „schöne Reise“ anders definiert und wir versuchen das zu berücksichtigen. Vor allem, was die Verteilung von Action und Entspannung angeht. Wenn es mir mal wieder in den Füßen kribbelt und ich mal wieder verreisen will, dann muss das nicht immer heißen, dass die ganze Familie mitkommt. Es kann mitunter erholsam für alle Beteiligten sein, wenn ich mir eines der Kinder schnappe und auf Kurzreise gehe.

 

Gabi von 5reicherts

Gabi von 5reichertsWir sind gemeinsam viel und lang unterwegs, und das schon seit einigen Jahren. Dadurch kennen wir uns untereinander sehr gut. Jeder hat so seine Eigenheiten, seine Macken und seine positiven Seiten.  Denen kann man vor allem im Wohnmobil nicht entkommen, wir sind aber gut aufeinander abgestimmt. Durch die dauernde Nähe haben wir gelernt, aufeinander zuzugehen, uns gegenseitig zu respektieren und zu helfen.

Früher ging bei uns jeder seinen eigenen Weg. Früh morgens, meist noch nicht ganz wach, auf die Arbeit und in die Schule. Der Boss nervte, die Mitschüler waren laut. Nachmittags kamen daheim hungrige und gereizte Kinder und Ehegatten an. Es wurde gemotzt, es war hektisch, wir hatten kaum Zeit füreinander. Vor allem lebten wir nicht selbstbestimmt, sondern unser Tagesablauf wurde von Terminen diktiert. Jetzt entscheiden wir, wann, wohin und wie lange wir reisen. Selten müssen wir mal so richtig früh und unausgeschlafen aus dem Haus, das ist dann was Besonderes. Wir erleben viel gemeinsam – treffen interessante Menschen, durchleben wilde Fährfahrten, radeln durch wunderschöne Landschaften und dürfen auch zusammen Probleme bewältigen.

Diese gemeinsamen Erfahrungen haben unsere Familie geprägt. Sie verbinden uns, wir sind alle daran gewachsen und zu den Menschen geworden, die wir heute sind. Es braucht nur einen kleinen Hinweis, ein Wort, ein Foto und schon befinden wir uns gedanklich wieder dort, wo wir es erlebt haben. Alle zusammen! Wir müssen nicht mal drüber sprechen, wir sehen es dem anderen am Gesichtsausdruck an. Diese Erlebnisse sind unglaublich wertvoll!

 

Nadine von Planet Hibbel

Nadine von planethibbelIch kann gar nicht sagen, dass wir irgendwas Neues über uns als Familie gelernt haben. Die Macken jedes Einzelnen und der alltägliche Familienwahnsinn sind auf Reisen nicht groß anders als daheim ;). Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass wir Vier ein super Reiseteam sind und uns erstaunlicherweise fast immer alle einig darüber sind, ob uns etwas gefallen hat oder nicht. Zudem bin ich immer wieder total erstaunt darüber, wie sehr unsere Kinder das Reisen schon genießen und miterleben. Auch unser 3jähriger merkt schon den Unterschied zwischen einem Malediven- oder Nordseestrand. Und sie sind mitunter frustriert wenn wir wieder im kalten, grauen Deutschland sind. Und auch wenn die Jungs sich später leider nur bedingt an unsere bisherigen Reisen erinnern können, so beeinflussen sie doch ihre Entwicklung positiv. Der Lernfaktor ist immens hoch und mir fällt immer auf, dass sie sich von jeder Reise etwas an Wissen mitgenommen haben.  Unsere Trips sind ein großer Bestandteil unseres Lebens und die Erinnerungen an all unsere Abenteuer und Erlebnisse daran schweißen uns bestimmt auch ein Stück mehr zusammen. Auch wenn Reisen mit Kindern wahrhaftig nicht immer nur leicht und unkompliziert sind.

 

Dani von butterflyfish

Dani von butterflyfishSeit drei Wochen sitze ich über dieser Frage. Was habe ich eigentlich gelernt. Habe ich überhaupt was gelernt? Im Prinzip ist das vielleicht der wichtigste Punkt: Seit wir zu Viert reisen, langweile ich mich auf Reisen, die ich alleine antreten darf. Am liebsten hätte ich dann eine Flatrate nach Hause, guck mal hier, die Lampen und da, der Lammbraten und der Wein, das Gebäude, dieses Spielzeug und „das hätte euch auch gefallen“. Vielleicht müsste ich mit einer Liste anfangen. Was habe ich gelernt?

  • Wir können zusammen arbeiten ohne uns an die Gurgel zu gehen
  • Wir ergänzen uns ganz gut
  • Ich habe durch die Reiseplanung mein Organisationstalent entdeckt, das irgendwo unter dem Haufen meines sonstigen CHAOS versteckt war
  • Wir lernen so viele tolle Menschen kennen
  • Reisen mit zwei Kindern ist super entspannend
  • Urlaub ist für jedes einzelne Familienmitglied so wichtig, auch Kindergartenkinder müssen mal raus aus dem Alltag
  • Kinder sind robuster und haben viel mehr auf dem Kasten als wir alle glauben wollen
  • Wir passen auch zu Viert auf ein 1,80 mal 2m Bett
  • Reisen bildet

Und bis auf unseren allerersten Urlaub – der in vielerlei Hinsicht schlicht die Hölle war – hatten wir extrem viel Spaß und vor allem viele neue Erfahrungen gesammelt. Während ich ein Mensch bin, der gern auch mal etwas wiederholt,  ist der Kerl ganz anders eingestellt: Habe ich schon gesehen, war super, jetzt: nächstes Ziel. Der Vorteil dabei: Wir werden wohl nie 15 Jahre hintereinander in Rimini unter´m Sonnenschirm braten. Der Nachteil (womöglich): Stammgäste werden wir damit aber nicht.  Unsere Reisen sind ja tatsächlich meistens Reisen, kein Urlaub. Seit wir Filme drehen bedeutet das auch, dass wir wesentlich straffere Zeitpläne haben, denn für manche Bilder brauchen wir bestimmte Zeiten. Sogar unsere Kinder sind Arbeitstiere, stehen mit uns morgens auf, beteiligen sich an der Story und wiederholen für eine fünf-Sekunden-Szene manche Dinge 10mal und mehr. Wir versuchen, unsere Tage aber so zu gestalten, dass die Kinder trotz Arbeit auch ein gewisses Urlaubsgefühl mit nach Hause nehmen können und bisher ist es uns eigentlich immer gelungen. Wenn wir nach Hause kommen und die Kinder sagen: „Der Urlaub war der Schönste, den wir je gemacht haben“ haben wir alles richtig gemacht.

 

Thor von sechspaarschuhe 

Thor von sechspaarschuheWir haben zwar noch nicht so viele größere Reisen hinter uns, eines haben wir aber trotzdem schon über uns gelernt: Wir lieben es, spontan zu sein! Die beste Urlaubserinnerung, die wir haben, stammt von einer Reise nach Italien vor vier Jahren. Das ganze fing folgendermaßen an: Wir hatten endlich Sommerferien und meine Frau wollte wissen, wie die Wetteraussichten für die nächsten Tage waren. Ich habe dann kurz auf dem iPhone nachgeschaut und festgestellt, dass es sieben Tage lang nur Regen geben sollte. Ohne es ernst zu meinen, sagte ich meiner Frau dann: „Lasst uns doch einfach das Auto packen und ans Mittelmeer fahren!“.

Gesagt, getan. Ein paar Stunden später, noch am selben Abend, saßen wir dann tatsächlich alle in unserem vollgepackten Siebensitzer und fuhren einfach los, die ganze Nacht durch. Wir wussten nicht, wo wir die nächste Nacht schlafen würden, wir hatten uns nur eine Karte angeschaut und uns den Ort an der italienischen Küste ausgesucht, der Dortmund am nächsten lag. Dieser haben wir ins Navi eingegeben und alles andere hat sich vor Ort erledigt. Es war vielleicht nicht unser entspanntester Urlaub, aber mit Abstand unser größtes Abenteuer, bis jetzt…

Denn in wenigen Wochen nehmen meine Frau und ich unsere vier Kinder mit auf eine einjährige Weltreise. Die ist auch nur ganz grob geplant, ganz nach unserem Geschmack also!

 

Sabine von geckofootsteps 

Sabine von geckofootstepsWas wir beim Reisen über uns als Familie gelernt haben? Puh, die Frage finde ich gar nicht so einfach und musste deshalb erst ein wenig überlegen. Zum einen habe ich gelernt, dass Komfort auf Familienreisen mit Kindern eine weitaus größere Rolle spielt, als wenn man alleine mit Rucksack unterwegs ist. Da uns als Familie nur sehr wenige Reisewochen im Jahr zur Verfügung stehen, legen wir Wert darauf, dass es nicht zu stressig zugeht und dass jeder auf seine Kosten kommt. Da nehmen wir gerne mal das teure Taxi, anstatt zwei Stunden mit dem Bus zu fahren und zwei Mal umzusteigen. Dazu gehört auch, dass sich einer mal ausklinken kann, wenn er allein sein möchte und keine Lust auf Unternehmungen hat. Bei der Reiseplanung achten wir besonders darauf, dass auch Highlights für Kinder enthalten sind.  Gerade auf Städtetrips, wo kein Strand oder Pool in der Nähe ist, finde ich das besonders wichtig. Ich merke immer wieder, wie viel Freude mein Sohn an solchen Trips hat, wenn man das Programm kinderfreundlich gestaltet oder entsprechende Kinder-Highlights setzt.

 

Antje von mee(h)erleben

Antje von mee(h)r erlebenUnsere Art zu reisen hat sich vor allem dadurch entwickelt, dass wir völlig verschiedene Vorlieben haben. Mein Mann mag lieber die nördlichen Gefilde, ich eigentlich lieber die wärmeren Regionen – aber wir mögen beide Kultur- und Städtereisen und viel Natur. Wir haben unsere Reisen nie auf Kinderprogramm und Kinderbetreuung ausgerichtet, sondern haben die Kinder einfach zu den Orten mitgenommen, die uns interessierten – und haben dabei festgestellt, dass man ganz nebenbei jede Menge tolle Sachen entdeckt, die auch Kindern gefallen. Diese gemeinsamen Erlebnisse haben uns als Familie viel enger zusammengeschweißt. Reisen sind für uns kostbare gemeinsame Momente, in denen wir uns in neuen Situationen von einer völlig anderen Seite kennenlernen.

 

Lena von family4travel

Lena von family4travelWir sind inzwischen seit siebeneinhalb Monaten unterwegs. Ganz genau sind es 225 Tage am Stück, die wir fast alle von morgens bis abends miteinander verbracht haben. Natürlich haben wir – zwangsläufig – gelernt, besser mit uns umzugehen, die guten und die eher schlechten Charaktereigenschaften und Angewohnheiten der anderen zu akzeptieren und damit fertig zu werden. Das Erstaunliche aber ist, dass wir mehr und mehr zu einer Einheit zusammenwachsen. Während wir zu Hause eher eine Ansammlung von Individuen sind, die zufällig in einem Verwandtschaftsverhältnis zueinander stehen, fühlen wir uns auf Reisen zunehmend als ein Organismus, der sich über vier Einzelwesen verteilt. Über viele Dinge müssen wir gar nicht mehr reden. Wir wissen, was die anderen drei davon halten. Wir sehen uns an und lachen, obwohl der Witz nur in einer Bewegung angedeutet war. Es ist, als seien wir mobile Endgeräte, die sich permanent online synchronisieren. Das ist manchmal ein bisschen gruselig, wenn die Jungs zum Beispiel vierzehn Anläufe brauchen, bis sie bei Schnick-Schnack-Schnuck unterschiedliche Handzeichen geben, oder wenn ich – wie heute morgen – beim Tischdecken plötzlich genau weiß, wo Silas zwischen den gleich aussehenden Bungalows unseres Campingdorfes herumirrt und die richtige Abzweigung nicht findet, als er vom Brötchenholen kommt. Aber oft es ist ungeheuer praktisch, sich so gut zu kennen. Ich wünschte, wir könnten diese Fähigkeit mit in den Alltag nehmen. Ich bin gespannt, ob das klappt, aber ich fürchte, es wird nicht funktionieren.

 

Fazit

Acht ganz unterschiedliche Antworten auf meine Frage. Eben auch acht ganz unterschiedliche Familien. Aber dennoch gibt es einen gemeinsamen Kern in allen Beiträgen: Reisen stärkt offenbar die Familie, schweißt sie zusammen und verbindet alle noch mehr miteinander. Die beiden Langzeitreisenden Gabi und Lena beschreiben das besonders deutlich. Ich kann das nur bestätigen. Mein allergrößtes Highlight unserer Reisen ist genau das: Wir vier machen zusammen einzigartige Erfahrungen, schaffen ganz besondere Familienerinnerungen und stärken das Gefühl, ein tolles Team zu sein.

Möchtet ihr mehr übers Reisen als Familie lesen? Dann schaut euch am besten auf den Seiten der Reiseblogger um. Hier nochmal alle Links im Überblick:

 

Und was habt ihr beim Reisen gelernt? Schreibt es in die Kommentare!

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3 Antworten

  1. […] noch ein Auswärtsspiel kann ich vermelden: Stefanie von family escapes hat acht Familien gefragt, welche Selbsterkenntnisse ihnen das Verreisen gebracht hat. Unser Beitrag ist reichlich esoterisch angehaucht, wie ich verlegen zugeben muss. Aber eigentlich […]

  2. Toller Artikel! Vielen Dank, dass ich mitmachen durfte! 🙂
    LG Thor

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