Tolle Fotos von Kindern auf Reisen: Darauf müsst ihr achten

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Seit ich Kinder habe, habe ich auch zwei Haupt-Fotomotive. Ich knipse die beiden eigentlich ständig. Es gibt ja auch andauernd Anlässe – vom ersten Babylächeln angefangen bis zum stolzen Auftritt mit Schultüte. Oft versuche ich auch, die beiden einfach im Alltag „festzuhalten“ und sie bei ganz normalen Tätigkeiten zu fotografieren. Besonders viele Bilder mache ich natürlich auf Reisen. Und bin da ehrlich gesagt oft nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Von gefühlten 100 Aufnahmen sind es vielleicht eine oder zwei, die mir gut gefallen. Richtige Knaller-Fotos bekomme ich nur ganz selten hin.

Geht es euch auch so? Fotografiert ihr eure Kinder begeistert und seid dann, wenn ihr das Ergebnis kritisch betrachtet, nicht hundertprozentig zufrieden?

Ich wollte gern wissen, wie ich bessere Fotos hinbekomme und habe mich umgehört. Und zwar bei ein paar Profis, deren Fotos ich regelmäßig bei Instagram anschmachte. Diese fünf Fotografen – die meisten schreiben auch einen Reiseblog – habe ich um ihre Tipps gebeten: Wie macht man gute Fotos von Kindern auf Reisen? Hier sind ihre Antworten in Text und Bild.

 

Anette Göttlicher, Göttlicher Fotografieren

Fotos von Kindern auf ReisenAnette ist Fotografin, Journalistin, Autorin und Mutter von zwei Kindern. Sie fotografiert, seit sie fünf ist. Inzwischen jeden Tag. Ihr Leitmotiv heißt „Fotografieren ist Gefühle sammeln“. Anette lebt in München. Dort veranstaltet sie auch ihre Fotocoachings „Instaschlendern“. Anettes Kinderfotos finde ich wunderschön. Die Bilder sprechen eine eigene Sprache und ich habe mich schon oft gefragt, wie sie das hinbekommt.

Anettes Tipp:

Wenn ich mit meinen Kindern auf Reisen bin, mache ich unglaublich viele Fotos. Und auf ganz vielen sind die beiden drauf. Meistens, wenn sie irgendetwas machen – am Strand herumtollen, Eis essen, einen Weg entlang spazieren. Das wäre mein erster, nahe liegender Tipp für Kinderfotos auf Reisen gewesen – die Kinder dabei fotografieren, wenn sie etwas tun, statt sie vor Sehenswürdigkeiten oder schönen Landschaften posieren zu lassen. Aber mein eigentlicher Tipp geht noch einen Schritt weiter. Im Urlaub und auf Reisen habe ich, mehr als im Alltag, den Mut dazu, meine Kinder von hinten zu fotografieren. Ob in der Seilbahn, an einem Aussichtspunkt, vor einem Kulturdenkmal oder beim Sonnenuntergang am Meer. Eine Reise mit Kinderaugen gesehen. Gerne fotografiere ich auch nur die Hände, Füße oder das Halbprofil der Kinder. Der Vorteil: Die Bilder sind automatisch dokumentarisch, das ganze wird eine Reportage statt „Linda und Ferdinand vor dem Eiffelturm“. Die Bilder bekommen mehr Tiefe, wenn die Kinder den Vordergrund bilden. Ein weiterer Vorteil: Die Fotos sind dazu geeignet, sie bedenkenlos öffentlich zu zeigen und zu posten. Und natürlich gibt es am Ende immer noch genügend Bilder, auf denen man auch die Gesichter erkennen kann.

Auf Reisen fotografiere ich mit meiner Sony NEX und einem 35-mm-Objektiv oder meiner Fuji X100T. Die schwere Vollformat-DSLR bleibt zu Hause.

Fotos von Kindern auf Reisen

 

Nathalie Sobriel, urlaubsreifundmeer

Fotos von Kindern auf ReisenNathalie lebt mit Mann und vier Kindern in Süddeutschland. Sie ist ebenfalls Fotografin und Reisebloggerin. Wenn du ihre superschön bebilderten Bloggeschichten liest, denkst du, Reisen mit vier (!) Kids ist ein Kinderspiel, alles so easy. Ich kann mich erinnern, dass ich damals erleichtert war zu erfahren, dass sie ein Profi ist – denn beim Anschauen der Fotos auf ihrem Blog oder ihrem Instagram-Account habe ich echt Minderwertigkeitsgefühle bekommen.

Nathalies Tipp:

Sommer, Sonne, dunkle Gesichter und zugekniffene Augen. Kinder zu fotografieren ist gar nicht so einfach… Mein Tipp für bessere Urlaubsfotos von euren Kindern: „Licht verstehen!“

1.    Schatten suchen
Fotografiert nicht in der prallen Sonne, sucht euch Schatten. Das Licht im Schatten ist viel gleichmäßiger, die Kontraste sind nicht so hart und vor allem blendet nichts. Am besten ist der sogenannte offene Schatten, z.b. die Schattenseite eines Hauses oder hohen Gebäudes.

2.    Vermeidet Parks und grüne Wiesen
Bäume und Wiesen reflektieren grün, das ergibt einen unschönen Farbstich. Kies, Sand, Beton ist besser geeignet, da es von unten farbneutral reflektiert.

3.    Das beste Licht
Für schöne Portraits eigenen sich am besten die frühen Morgen- oder Abendstunden, weil das Licht super weich ist.

4.    Gegenlichtaufnahme
Gegen das Licht zu fotografieren erfordert allerdings etwas Übung. Denn im Automatikmodus werden die Bilder meist falsch belichtet und zu dunkel. Schraubt eure Gegenlichtblende drauf, ermittelt mittels Spotmessung die richtige Belichtungseinstellungen und ihr erzielt super schöne Portraitaufnahmen.

Aber das allerwichtigste – vergesst nicht Spaß zu haben. Auch wenn das Foto nicht perfekt, verwackelt oder unscharf ist, es zählt der Moment!

Auf Reisen fotografiere ist meistens mit der Canon EOS 60D, mit dem 18-135mm und 50mm Objektiv.  Aber auch das Smartphone wird hin und wieder für einen Schnappschuss verwendet.

Fotos von Kindern auf Reisen

 

Eric Stoen, Travelbabbo

Fotos von Kindern auf ReisenWenn ihr Reiseblogs lest oder Reisefotos auf Instagram liebt, dann kennt ihr wahrscheinlich Eric und seinen Blog Travelbabbo. Das ist einer meiner absoluten Lieblinge im Netz. Eric lebt in den USA und reist als Fotograf ständig durch die Welt, oft begleitet von mindestens einem seiner drei Kinder. Sein Motto: Take your kids everywhere! Erics Bilder sind für mich Inspirationen, ich bin immer wieder entzückt von seinen Foto-Ideen. Deshalb habe ich mich gefreut, dass Eric gleich spontan zugesagt hat, bei meiner kleinen Umfrage hier dabei zu sein. Man hat ja irgendwie vor solchen großen Blogs immer ein bisschen Respekt …

Erics Tipp: (Den ursprünglich englischen Text habe ich für euch übersetzt)
Wenn ihr euch meinen Instagram Feed anschaut, seht ihr, dass ich die Gesichter meiner Kinder selten zeige. Dafür gibt es ein paar Gründe. Erstens: meine Kids hassen es zu posieren. Es ist viel einfacher, sie dabei zu fotografieren, wenn sie von mir wegschlendern oder irgendwo in der Gegend herumschauen als sie zu bitten, sich hinzustellen und zu lächeln.

Zweitens: Meine Website und mein Instagram Account drehen sich nicht um mich. Ich möchte anderen Informationen bieten, will sie inspirieren dazu, ihren Kids tolle Orte zu zeigen. Und ich möchte, dass die Leute ihre Kinder an diesem Strand fotografieren oder in jenem Heißluftballon oder beim Klettern an diesem Berg. Das klappt nicht so gut, wenn ich Fotos von meinen Kindern zeige, wie sie in die Kamera lächeln.

Drittens: Ich finde es selber immer ein bisschen merkwürdig, wenn ich bei Fotos von Kindern, die ich nicht kenne, „gefällt mir“ klicke. Ich mag zwar eigentlich nur das Bild, aber es sieht dann doch aus, als ob mir das Kind gefällt. Ich will den Leuten die Möglichkeit geben, meine Fotos zu liken ohne das Gefühl zu haben, meine Kids zu liken.
Manchmal bitte ich meine Kinder schon, etwas langsamer zu gehen oder kurz inne zu halten in einer Szene, damit ich ein Foto machen kann. Aber witzigerweise sind das selten die Fotos, die ich dann auch poste. Ich mag die ungestellten Bilder lieber. Das Foto hier ist ein perfektes Beispiel: Ich hatte meine Sohn gebeten, am Strand zu stehen und aufs Meer zu schauen. Die Aufnahme, die mir dann aber am besten gefallen hat, ist die, bei der er sich aufs Kajak gesetzt hatte, relaxte und sich an der Umgebung gefreut hat. Es ist viel realer. Also ist mein Haupt-Tipp für gute Kinderfotos der: Lasst eure Kinder einfach Kinder sein! Fotografiert sie möglichst ganz natürlich, wenn sie spielen oder auch, wenn sie von euch weg spazieren. Diese Bilder sind die besten!

Fotos von Kindern auf Reisen

 

Katja Heil, katjaheil

Fotos von Kindern auf ReisenKatja tanzt buchstäblich auf vielen Hochzeiten: Sie ist Fotografin, Spezialistin für Hochzeiten, Reisebloggerin, Mutter von zwei Kindern. Und schreibt über alles. Die Konsequenz ist klar: Sie hat neben ihrer beruflichen Site auch gleich noch zwei Blogs, dreimal dürft ihr raten, welcher sich worum dreht: fraeulein-k-sagt-ja, antonsganzewelt. Ach ja, und Fotoworkshops gibt sie auch noch. Zu ihren Kinderfotos kann ich nur sagen: Ein Traum!

Katjas Tipp:

Wirklich gute und authentische Kinderfotos erhält man, wenn man die Kinder auch Kinder sein lässt, jedoch clever an das Shooting heran geht.

Was dahinter steckt? Nun, überlegt, was Eure Kinder gerne draußen machen. Rennen? Klettern und herunter springen? Prima! Wenn sie dies dürfen, haben sie gute Laune und lassen sich leichter motivieren. Ich versuche immer eine Mischung aus bewegten Fotos und eher klassischen Portraits hinzubekommen. D.h. ich lasse sie rennen, hüpfen und Quatsch machen – aber in einer schönen Umgebung und in einem gleichmäßigen Licht.

Meidet dabei die Sonne. Sie macht fiese und harte Schatten. Schlagschatten von Gebäuden sind hingegen super, so, wie man sie in vielen schönen Gassen alter Städte findet. Und wenn es doch der Strand sein soll, dann wählt den späten Nachmittag hierfür. Eine Stunde vor Sonnenuntergang habt Ihr das beste Licht und könnt ganz entspannt Eure Kinder fotografieren. Wenn sie sich ausgepowert haben, grinsen sie nämlich auch gerne fröhlich und glücklich in die Kamera!

Nun kommt es nur noch darauf an, dass Ihr Euer Equipment gut im Griff habt, d.h. Eure Kamera blind bedienen könnt. Das Sportprogramm liefert oft bessere Ergebnisse als die Portraitautomatik, da die kurzen Verschlusszeiten die Bewegungsunschärfe minimieren. Fortgeschrittene fotografieren jedoch am besten im manuellen Modus, um sowohl Tiefenschärfe und Belichtungszeit individuell steuern zu können.

Mit einer Festbrennweite, d.h. einem Objektiv ohne Zoom, macht Ihr einen Quantensprung in Sachen Lichtstärke, Schärfe und Farbwiedergabe. Leiht Euch eins aus und testet es mal! Ich fotografiere i.d.R. mit einer Nikon D810 und einem 35mm 1.4 oder 50mm 1.4 Objektiv.

Und ansonsten: entspannt ausprobieren. Ihr habt doch Urlaub!

Fotos von Kindern auf Reisen

 

Marc Arzt, Reisezoom

Fotos von Kindern auf ReisenMarc gibt auf seinem Blog Reisezoom viele viele tolle Ratschläge und Informationen rund ums Fotografieren. Und die Theorie führt er dann ganz praktisch bei seinen Reisen vor. Interessant ist übrigens auch sein Instagram ganz in Schwarz-Weiß. Marc kommt ebenfalls aus Süddeutschland, lebt aber jetzt mit Frau und zwei Kids in Berlin. Weil die Schwabenliebe tief sitzt, zieht es ihn immer wieder ins „Ländle“. Und daraus entstehen dann auch schöne Geschichten für Reisezoom.

Marcs Tipp:

Fotos von Kindern auf Reisen sollten eine Geschichte erzählen. Die Qualität des Fotos ist dabei zweitrangig, wichtig ist der richtige Moment. Oft ist dieser Moment nur kurz, deshalb brauchst du eine Kamera, die schnell griff- und einsatzbereit ist. Das kann auch ein Smartphone sein! Ich persönlich arbeite meist mit einer Sony RX100 III.

Aber zurück zur Geschichte: Als Papa oder Mama siehst du die Geschichte und deine Kinder mit einer rosaroten Brille. Diese abzulegen ist fast nicht möglich. Sei dir dessen bewusst und frage dich, für wen du die Fotos machst. Schießt du die Fotos nur für dich privat, dann ist alles erlaubt, auch die typischen Tourist-Guy-Bilder, auf denen ein lustloses Kind vor einer Sehenswürdigkeit steht. 🙂

Willst du deine Bilder aber einer größeren Masse zeigen, reicht das nicht. Mein Beispiel entstand in der WasserWunderWelt in Krimml. Was erzählt dir das Bild über die WasserWunderWelt?
•    Dort hast du Spaß.
•    Dort wirst du nass.
•    Es ist im Freien.
•    Es ist in den Bergen.
Willst du jetzt wissen, was die WasserWunderWelt ist? Gut, Mission erfüllt! Es ist eine Art Abenteuerspielplatz für groß und klein, auf dem du jede Menge über das Thema Wasser lernst.

Fotos von Kindern auf Reisen

Fazit

Das heißt dann also:

  • Keine gestellten Fotos von Kindern auf Reisen. Fotografiert sie lieber bei dem, was sie eben so gerade tun.
  • Kein „stell dich doch mal da hin …“ und kein „Spagheeetti ….“, um die Kids in die Linse lächeln zu lassen.
  • Meidet die pralle Sonne, fotografiert möglichst im Schatten von Gebäuden oder noch besser, in der Abend- bzw. Morgensonne.
  • Dabei sind Straßen und Wege oder der Strand besser als die grüne Wiese.
  • Schön ist es, wenn das Foto – vor allem wenn für die Veröffentlichung bestimmt ist – eine Geschichte erzählt.
  • Um die Reise mit den Kindern zu dokumentieren, kann man sie ruhig auch von hinten fotografieren oder auch nur Details, wie ihre Hände oder ihr Halbprofil aufnehmen.
  • Das hat dann auch den Vorteil, dass man die Bilder gut veröffentlichen kann zum Beispiel, wenn man einen Reiseblog schreibt 🙂

Ich bin mit diesen Tipps ein Stück weiter gekommen und hoffentlich näher an der Art von Bildern, wie ich sie immer gern gemacht hätte. Was ist mit euch?

Falls ihr auch einen Tipp haben solltet für gute Fotos von Kindern auf Reisen freu ich mich natürlich über einen Kommentar!

 

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Eine Antwort

  1. Super Tipps, die du da zusammengetragen hast, liebe Stefanie! Mit diesen Profi-Tipps bringe ich hoffentlich von unserer Südostasien-Tour mal ein paar mehr veröffentlichungstaugliche Fotos mit Kind für den Blog mit.
    Liebe Grüße
    Gela von unterwegsmitkind

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